Packliste Fohlenauktion| Was muss mit?

Ehe man sich versieht ist die Hochsaison der Zucht bereits wieder in vollem Gange und es dauert nicht mehr lang, bis die ersten Termine anstehen, bei denen man als Züchter sein Fohlen mit dem Ziel einer Auktionszulassung vor einem Auswahlgremium vorstellen kann. Fasst man nach erfolgreicher Zulassung den Entschluss, sich mit Stute und Fohlen auf eine längere Reise zu begeben, sollte die Reise natürlich vernünftig vorbereitet und geplant werden, damit auch nichts Wichtiges vergessen wird. Während die Auswahltermine und Fohlenschauen noch zu den Events gehören, bei denen man bereits zuhause alle notwendigen Vorkehrungen trifft und dementsprechend vor Ort häufig nicht viel benötigt, stehen bei einer mehrtägigen Reise zu einer Auktion ein paar weitere, zusätzliche Dinge auf der Liste, an die gedacht werden muss. Da nun heute meine Bestellung eingetroffen ist, mit der ich unser Aktionsequipment wieder frisch für die neue Saison aufgestockt habe, dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit und stelle euch einmal meine Packliste vor, die ich abarbeite, wenn wir uns auf den Weg zu einer Fohlenauktion machen.

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Tobiano Reit- und Pferdesport hat uns in diesem Jahr mit diesem wunderbaren Paket an Pflegeprodukten für die kommende Hochsaison der Pferdezucht unterstützt. Vielen Dank an das Team von Tobiano!

Für die Mutterstute und das Fohlen:

  1. Kraftftutter und einen Wassereimer
    Am allerwichtigsten ist wohl das Kraftfutter: Während ein Auktionsveranstalter im Normalfall Heu und Stroh für die Aussteller bereitstellt, ist das Kraftfutter selbstständig mitzubringen. Unabhängig davon nehmen wir allerdings immer unser eigenes Kraftfutter mit, um Stute und Fohlen in der fremden Umgebung nicht mit ungewohntem Futter zu  konfrontieren. Je nach Länge des Aufenthalts füllt sich unser Kofferraum also zunächst mit mehreren Eimern Kraftfutter, etwas Mineralfutter und getrocknetem Brot und Saftfutter als Leckereien für zwischendurch.
  2. Halfter und Stricke
    Ebenfalls ganz wichtig: Halfter und Stricke! Gepäckstücke, an denen man nie sparen sollte und die wir immer im Überfluss sowohl für die Mutterstute als auch für das Fohlen dabei haben. Wenn man schon mit so wertvoller Fracht durch Deutschland reist, sollte man zumindest für eine ausreichende Sicherung gesorgt haben. So binden wir die Stute auch grundsätzlich pro Fahrt rechts und links jeweils mit zwei Stricken fest. Der Grund dafür ist  ganz einfach: Mutterstute und Fohlen werden ohne Trennwand transportiert, damit das Fohlen während der Fahrt trinken kann und zudem nicht Gefahr läuft, beim Trinkversuch zwischen der Mutter und der Trennwand eingeklemmt zu werden. Das hat natürlich den Nachteil, dass Mutterstute und Fohlen vollkommen ungesichert sind, sofern es einmal dazu kommen sollte, dass die Stute – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr angebunden ist. Gar nicht so selten passiert es nämlich, dass Fohlen sich während der Fahrt an den Stricken zu schaffen machen und fröhlich herumknabbern, bis sie sich gelöst haben. Wäre die Stute nun rechts und links nur einmal angebunden, würde sie nun die Möglichkeit haben sich im Hänger zu drehen und zu wenden: Eine Situation, die äußerst gefährlich für das Fohlen ist, nicht zuletzt, weil eine Stute während der Fahrt bedingt durch die Unebenheiten nicht derart auf ihr Fohlen aufpassen kann, wie sie es im Normalfall tun würde. Aus diesem Grund stellen wir mit dem doppelten Anbinden sicher, dass es zu keiner freilaufenden Stute im Hänger kommt. Da man natürlich immer mal einen Strick verschusseln kann, nehmen wir deswegen genügend Material mit, um für alle Fälle ausgestattet zu sein. Man weiß ja nie.
  3. Abschwitzdecken
    Weiterhin enorm wichtig sind die Abschwitzdecken: Und die werden tatsächlich eingepackt, egal wie schön das Wetter ist und egal welchen Sommermonat wir haben. Häufig hatten wir es schon, dass wir bei 23 Grad zuhause losgefahren sind und in einer Region ankamen, in der wir bitterkalte Nächte hatten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass es in den Stallzelten meist um einige Grad kälter ist, als in den gewohnten, geschützten Stallgebäuden. Haben die Stuten nun nach der Präsentation geschwitzt, ärgert man sich schwarz, wenn man die Gesundheit der Mutterstuten wegen dieser Nachlässigkeit aufs Spiel setzt.
  4. Zwei Trensen
    Zudem wandern zwei Trensen in den Kofferraum: Eine für den Normalfall, eine für den Notfall. Gar nicht so selten passiert es, dass sich eine Stute im Eifer des Gefechts mal selbstständig macht und sich bei ihrem Manöver auf die Zügel tritt und die Trense zerreißt (was natürlich in diesem Moment das Beste ist, was einem passieren kann). Deshalb: Eine Ersatztrense muss mit.
  5. Lederhalfter für das Fohlen
    Ebenso wandert ein Lederhalfter für das Fohlen mit in den Koffer. Häufig stehen interessierte Käuferinnen und Käufer bei der morgendlichen Präsentation in dem „Wartebereich“ für die Fohlen, um sie einmal in Ruhe im Stand mustern zu können: Da sie zu diesem Zeitpunkt noch geführt werden, ist ein schickes, elegantes Halfter natürlich absolut von Vorteil.
  6. Flatterpeitsche
    Mit dabei ist auch immer unsere Flatterpeitsche. Im Regelfall stellen die Auktionsveranstalter selbst Läufer und/ oder zumindest Peitschenführer, die mithilfe von Geräuschen für die bestmögliche Konzentration und Aufmerksamkeit bei Stute und Fohlen sorgen sollen. Ist der Veranstalter einmal nicht so gut aufgestellt, haben sie meist auch nichts dagegen, wenn man selbst mit in die Bahn  läuft und hilft: In solchen Momenten wirkt ein alter Peitschenstiel mit etwas rot/weißem Flatterband vorne an dem Zipfel wahre Wunder.
  7. Putzzeug
    Nicht zu vergessen: Putzzeug. Das Werkzeug, was man an einem Auktionswochenende ungefähr drölfmilliarden Mal in der Hand hat und so oft Anwendung findet, wie es das ganze Jahr nicht der Fall war. Spaß beiseite: Ein gutes Putzzeug und ein paar kleine zusätzliche Helferlein sind wirklich das A und O bei einer Auktion. Die Vorstellung beim Tierarzt für die klinische Untersuchung, zwei Präsentationen, zusätzliche Kurzpräsentationen vor dem Stallzelt für interessierte Käufer und schlussendlich die Auktion selbst: Gelegenheit fürs Putzen gibt es allemal. Hinzukommt, dass die Stallzelte im Regelfall für potenzielle Käufer geöffnet sind. Heißt, dass natürlich jederzeit mit Besuch zu rechnen ist, bei dem Stute und Fohlen im besten Falle nicht zerzotttelt, mit aufgeschubberten Zöpfen im Stall stehen. Aus diesem Grund wird eigentlich immer geputzt, sobald es wieder von Nöten ist. Aber was genau nehmen wir nun mit?
    Neben dem üblichen Putzzeug, was ich hier denke ich nicht noch einmal aufzählen muss, gibt es vier Dinge, die bei uns am Häufigsten zum Einsatz kommen: Babytücher, Glanzspray, ein Lammfellhandschuh und meine geliebte Magic-Brush. Am Besten bewährt haben sich in puncto Glanzaufmachung das Spray von Effol, aufgetragen mit einem sauberen Lammfellhandschuh, und die Babytücher aus dem Drogeriemarkt für den letzten Feinschliff am Kopf. Gefühlt ist es in den Stallzelten immer super staubig, sodass die Stuten wieder dreckig sind, ehe man sich versieht. Babytücher und der getränkte Lammfellhandschuh passen wunderbar in die Umhängetasche, sodass kurz vor der Präsentation noch einmal alles gerichtet werden kann. Gleiches gilt für die Magic-Brush-Bürste: Jeder der schon einmal daran verzweifelt ist, dass strubbelige Fohlenfell, welches sich nach und nach ablöst, in Reih und Glied zu bekommen weiß, wovon ich spreche. Keine Kardätsche und kein Striegel konnten mir bislang helfen: Einzig und allein die Magic-Brush-Bürsten haben es geschafft, dem krausen, gelockten Fohlenfell Herr zu werden. Deshalb: Für mich ein absolutes Muss!
  8. Mähnengummis und Huföl
    Dazu gibt es nichts zu sagen: Beides muss auf jeden Fall mit.
  9. Lederpflege
    Ebenso oft, wie man an einem Auktionswochenende Mutterstute und Fohlen putzt, wird auch das Lederzeug gepflegt. Trense, Fohlenhalfter und notfalls die eigenen Schuhe: Wenn man den Tag zwischen den Präsentationen mit Warten verbringt, kann einen schon mal der Putzfimmel packen.

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Für den Aussteller:

  1. Handschuhe
    Schicke Handschuhe sind ein Muss! Präsentiert man Mutterstute und Fohlen, liegt der Fokus natürlich auf dem Fohlen. Wenn aber eines auffällt, dann sind das die Hände des Läufers und dessen Zügelführung!
  2. Turnschuhe
    Lacht mich aus, aber wenn ihr erstmal mehrere Runden über einen Sandplatz geflitzt seid, wünscht ihr euch eure Sportschuhe herbei. Mitnehmen! Unbedingt!
  3. Ein schickes Poloshirt/ Bluse
    Gesetz des Falles, dass der Aussteller nicht selbst eine Kleiderordnung verhängt und für einheitliche Oberbekleidung sorgt, sieht ein Poloshirt oder eine Bluse/ ein Hemd immer besonders schick aus. Auch wenn man als kleines Licht am Ende des Zügels weitaus weniger Beachtung findet, als die bestmöglich herausgebrachten Mutterstuten und Fohlen, so macht es doch etwas her, wenn man selbst ebenfalls etwas schicker als üblich auftritt.
  4. Handtücher
  5. Nervennahrung
    Die Wartezeit zwischen der Präsentation am Morgen und der Auktion am Nachmittag/Abend kann lang werden. Sehr lang! Nervennahrung ist des Öfteren der Retter in der Not

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Sonstiges

  1. Werbung
    Wie oben schon erwähnt sind die meisten Stallzelte für Kaufinteressenten zur freien Begehung geöffnet: Zwischen der morgendlichen Präsentation und der Auktion am Abend kommen deshalb nach und nach Käufer in die Stallzelte, um sich die Fohlen noch einmal in Ruhe anzuschauen und sie sich ggf. noch einmal zusätzlich auf der Wiese vor dem Stallzelt vorführen zu lassen. In Anbetracht der potenziellen Käuferschaft nutzen wir die Wand vor unserer Stutenbox, um das jeweilige Fohlen und dessen Mutterstamm zu bewerben. Fotos vom Fohlen, den Geschwistern und erfolgreichen Nachkommen der Großmutter zieren deshalb unsere Wände. Zusätzlich kommentieren wir jedes Foto mit der Abstammung, den Daten und den zu verzeichnenden Erfolgen. Durch die Fotos wird zum einen die Aufmerksamkeit der Käuferschaft erregt und es fällt einmal öfter ein Blick auf das Fohlen, als es vielleicht sonst bei dem typischen „Einmal-den-Blick-über-alle-Boxen-hinweggleiten-lassen“ der Fall wäre. Zum anderen hat man so die Möglichkeit, bestimmte Besonderheiten des Mutterstammes, welche natürlich im Regelfall bereits im Auktionskatalog aufgereiht zu finden sind, zusätzlich positiv hervorzuheben. Aus diesem Grund wandert bei uns auch immer ein Korb voll Fotos mit den dazugehörigen Erklärungen sowie Tesafilm, ein Band mit Wäscheklammern und eine Schere in den Kofferraum.
  2. Halterung für Trense und Co
    Ebenfalls kein schlechter Zusatz ist eine Halterung für Trensen und Halfter: Am Besten einen, den man nur über die Querstangen der Stallzeltboxen hängen muss. Da das meiste Equipment vor der Box im Durchgang gelagert wird, steht man bereits kurz nach der Ankunft vor dem Problem, dass man keine Möglichkeit hat, Trense und Halfter vernünftig aufzuhängen. Der staubige Boden würde das frisch geputzte Equipment versauen und die Trensen jedes Mal mit einem Strick notdürftig an einem der Gitter festzumachen, ist auf Dauer zu umständlich.
  3. Equidenpass
    Wie bei jeder Reise mit Pferd muss natürlich der Equidenpass mit. Meist wird die Fohlenauktion zu einer Zeit stattfinden, zu der man noch nicht im Besitz eines Passes fürs Fohlen ist – das macht weiter nichts, so lange man zumindest den Pass für die Mutterstute dabei hat.
  4. Tierärztliche Bescheinigung
    Für den Fall, dass die tierärztliche Untersuchung des Fohlens nicht erst vor Ort stattfindet, muss bei dem Fohlen kurz vor der Auktion zuhause eine klinische Untersuchung stattfinden: Die Bescheinigung darf natürlich nicht vergessen werden!
  5. Campingstuhl
    Das (fast) Wichtigste kommt zum Schluss: Der Campingstuhl. Ich erwähnte bereits, dass man auf einer Fohlenauktion entweder mit Putzen, mit Laufen oder mit Warten beschäftigt ist. Bereits früh morgens geht es los, der Tag endet meist erst spät und zwischen drinnen bereitet man Mutterstute entweder vor, nach oder tut das, was man am Besten kann: Warten. Für mich gibt es dabei nichts schlimmeres, als stundenlang zu stehen und von einem Bein aufs Nächste zu tippeln. Deshalb ist der heilige Campingstuhl immer mit an Bord.

Ich wünsche viel Spaß auf den anstehenden Reisen mit Mutterstute & Fohlen und eine unvergessliche Zeit! 🙂

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