Verden International 2018

Auch in diesem Jahr verschlug es mich wieder nach Verden zum Verden International. Seit drei Jahren gehöre ich nun schon zu den Besuchern und ich schätze, dass ich es mir auch in den kommenden Jahren nicht nehmen lassen werde, zumindest für einen Tag das Gelände des Verden International zu betreten. Erstmalig besucht habe ich das Turnier 2015, als zum vorerst letzten Mal die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde in Verden ausgetragen wurde. Nun bin ich – wie ihr vermutlich wisst – hochgradig der Zucht verfallen, sodass es mir in den darauffolgenden Jahren immer wieder in den Fingern juckte, mich auf den grünen Wall an der Hannoveraner-Dressurarena zu pflanzen und gespannt die Reitpferdechampionate der drei bis sechsjährigen Hannoveraner zu verfolgen. Gesagt, getan: Am Samstag vormittag machten mein Freund und ich uns auf den Weg nach Verden, um zwei Tage lang Fohlen und Youngster mit ihren jeweiligen Abstammungen zu verfolgen.

Etwas später als geplant reisten wir am Samstag an, sodass wir nicht mehr allzu viel Zeit hatten, bis die Fohlenauktion des Hannoveraner Verbandes beginnen sollte. Während wir zur Einstimmung noch kurzfristig die Mittlere Tour im Springstadion verfolgten, konnte ich nebenbei in Ruhe den Auktionskatalog der dressurbetonten Fohlen durchgehen. Durchgehen heißt, dass ich mir die jeweiligen Abstammungen der Fohlen zu Gemüte führe, um im Anschluss die – für mich – interessanten Fohlen mit einem Kreuzchen zu versehen. Das sind meist Nachkommen solcher Hengste, die im heimischen Stall selbst eingesetzt wurden oder in Zukunft werden, oder die bereits im Vorhinein mein Interesse geweckt haben und bei denen ich gespannt bin, wie sich der Nachwuchs präsentiert. Ganz oben im Kurs stehen dabei vor allem Fohlen von Hengsten, die erst ihren ersten oder zweiten Fohlenjahrgang hervorgebracht haben und bei denen noch nicht sicher ist, wie sie sich vererben. Erstaunlicherweise waren bei dieser Auktion unheimlich viele Fohlen von Hengsten vertreten, denen ich – aus welchen Gründen auch immer – gerne meine besondere Aufmerksamkeit schenken wollte. So waren am Ende des Stechens der Mittleren Tour gefühlt mehr Kreuze vorhanden, als der Katalog an Fohlen aufwies. Aber gut, lieber einmal mehr schauen, als zu wenig. Dafür waren wir schließlich da. Für alle Interessierten: Mein besonderes Augenmerk lag auf Vitalis, Fürst Romancier und Quantensprung (eingesetzte Hengste aus den letzten Jahren), Fürstenball  und Borsalino (Hengste, die in der engeren Auswahl für das später einmal kommende, eigene Zuchtprojekt stehen), Marc Cain und For Romance (in diesem Jahr eingesetzt) sowie Secret, welcher in diesem Jahr seinen ersten Fohlenjahrgang präsentierte.

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Michael Christofoletti auf Sig Debalia – fehlerfrei

Mit dem Auktionskatalog im Gepäck ging es in die Stallungen, um die Fohlen und ihre Mutterstuten noch einmal live, im Ruhezustand in Augenschein zu nehmen. Eine Vorgehensweise, die ich immer wieder so an den Tag legen würde, sei es bei dem Besuch von Deckstationen oder bei einer Auktion. Auch wenn die Pferde in der Box häufig ungünstig stehen, man vor lauter Stroh und Gitterstäben wenig sieht, bekommt man einen ganz persönlichen Eindruck von dem jeweiligen Fohlen/dem Hengst und dessen Ausstrahlung. Manchmal ist diese unspektakuläre, ungeschönte Inaugenscheinnahme viel mehr wert, als die Pferde in einer tobenden Niedersachsenhalle bei der Hengstschau zu begutachten. Auch wenn ich selbst dieses Mal nicht mit einem Fohlen zugegen war, ergaben sich ein paar sehr nette Gespräche mit Züchtern, die als Aussteller an der Auktion teilnahmen. Ein weiterer Aspekt, warum ich so gerne Auktionen besuche.

Mit den ersten Eindrücken im Gepäck ging es schlussendlich auf die Tribüne des Hannoveraner Verbandes. Erste Erkenntnis: Fürstenball hat es mir angetan. Durch die Bank weg haben mir wirklich alle Fohlen des Hengstes ausgesprochen gut gefallen. Für mich persönlich ist es ein absolutes K.O-Kriterium, wenn der Halsansatz eines Pferdes nicht meinen Vorstellungen entspricht. Das Pferd kann noch so doll strampeln: Wenn der Kopf auf einen langen, spitz zu laufenden Schwanenhals gesetzt wurde, stimmt für mich das Gesamtbild nicht. Fürstenball ist nun prädestiniert dafür, dass er seinen Nachkommen bzgl. der edlen Köpfe und den schicken, runden Hälsen einen Stempel aufdrückt. Noch dazu gefällt mir sehr, dass die Youngster sich allesamt sehr schön bewegen können, aber keine hypermobilen Traber der neueren Generation sind. Ich persönlich mag es viel lieber, wenn die Pferde einen leichtfüßigen, taktreinen Gang haben, als dass sie sich die Seele aus dem Leib strampeln und dabei wie ein Elefant im Porzellanladen vor sich her manövrieren. Die Fürstenballnachkommen hatten allesamt diesen leichtfüßigen, sehr schön anzusehenden Gang und bewahrten dabei aber Ruhe und Kontenanze. Kurz: Das Gesamtbild hatte mich überzeugt.

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Katalognummer 61: HF „Flocki“ von Finest aus einer Londontime-Mutter. Zuschlag: 17.000€

Sehr gut gefiel mir zudem Flocki, ein Finest-Sohn, der wiederum von Fürstenball abstammt. Finest hatte ich zugegebenermaßen vorher noch nicht auf dem Schirm, er wanderte mit der Darbietung von Flocki aber mit ganz nach oben auf meine Liste der Hengste, die ich mir weiter anschauen möchte. Auch die Feinrich-Nachkommen gefielen mir sehr, sehr gut. Bereits letztes Jahr weckte Feinrich mein Interesse, als bei der Vorauswahl für die PS-Online Auktion bei Schockemöhle neun oder zehn Feinrich-Fohlen gezeigt wurden, die allesamt brilliant waren. Die Auktion am Wochenende bestätigte nun nochmal meinen Eindruck, weshalb ich Feinrich auch auf alle Fälle im Blick behalten werde. Absolut durchgerutscht ist bei mir Revolution, von dem ich 2015 hörte, als er für 1,2 Millionen über die Verdener Auktion verkauft wurde, der bei mir dann im Nachgang aber vollkommen in Vergessenheit geriet. Wenn ich mich recht entsinne, stand er sogar mal als Anpaarung für Bella Mia zur Debatte, irgendwie ist er mir aber in dem darauffolgenden Jahr komplett entfallen. Im Nachhinein nicht mehr zu ändern, nun ist er aber wieder in meinem Gedächtnis und das erste Fohlen was ich nun in Verden von ihm sah – ein Hengstfohlen aus einer Belstaff-Mutter, welches für 24.000€ versteigert wurde – gefiel mir ausgesprochen gut. Er kommt auf jeden Fall auf die Liste derjenigen Hengste, von dem ich mir noch weitere Nachkommen anschauen möchte. Mit diesen neuen Eindrücken im Gepäck ging es dann gegen Abend ins Hotel, die ersten Bilder von der Auktion sichten, Marius anrufen und über einige Hengste ausfragen und schlussendlich den Tagesbericht für Instagram schreiben.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem – mal nebenbei gemerkt – grandiosen Frühstück wieder zurück zum Gelände des Verden International. Ausgetragen wurden an diesem Tag die Finale der Hannoveraner Reitpferde-Championate. Prüfungen, die ich mir immer unheimlich gern anschaue, um ähnlich wie bei den Fohlen Nachkommen von bestimmten Hengsten anschauen zu können und um Hengste zu sichten, die aller Wahrscheinlichkeit nach in der kommenden Saison als Deckhengst aufgestellt werden oder bei den Älteren möglicherweise bereits wurden. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war in diesem Jahr kein Hengst dabei, bei dem bei mir der „Funke übersprang“. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich allein die drei- und vierjährigen Hengste anschauen konnte, da wir uns bei den Fünf- und Sechsjährigen bereits wieder auf der Heimreise befanden. Der Sieger der dreijährigen Hengste, ein Don Nobless-Sohn aus einer Sandro-Hit Mutter, genannt Despacito, war der einzige Hengst, bei dem ich unbewusst immer wieder hinschauen musste. Dennoch hat bei mir das letzte „gewisse Etwas“ gefehlt, welches ich beispielsweise vor zwei Jahren bei Don Martillo verspürte. Ich werde ihn aber dennoch im Blick behalten und bin gespannt, wie er sich in den kommenden Jahren entwickeln wird. Obwohl nirgends der Funke übersprang war die Prüfung in sofern erkenntnisreich, als dass ich mir von vielen Hengsten einen eigenen Eindruck machen konnte. Auf Videos und auf Fotos finde ich es immer unheimlich schwierig, einen Zugang zu den Hengsten zu finden. Irgendwie sind sie ja doch allesamt ziemlich gut, wenn wir ehrlich sind. Zumindest für mich als Laie sind teils kaum wirklich relevante Unterschiede zu erkennen.

Wer mich vollends überzeugt hat war die Fürstenball-Tochter „Feingefühl“, welche im Finale der dreijährigen Stuten und Wallache an den Start ging und den Sieg einholen konnte. Wie bei den Fohlen schon erwähnt brachte auch sie all die Merkmale mit, die ich bereits bei den Fürstenball-Fohlen herausragend fand und die ich mir von einem – möglicherweise eigenen Fürstenball-Nachkommen – erhoffen würde. Das Verden International stand also gewissermaßen ganz im Zeichen von Fürstenball: Mehrere teure Auktionsfohlen und die Siegerstute der dreijährigen Stuten, die zudem Reservesiegerin der Herwart von der Deckenschau wurde.

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Siegerin des Hannoveraner Reitpferde-Championats der dreijährigen Stuten und Wallache: Feingefühl unter Sandra Kötter

Nun bin ich glücklich wieder daheim, habe tollen und vor allem fairen, altersgerechten Sport gesehen und kann nun ganz in Ruhe meine gewonnenen Eindrücke verarbeiten, neu aufgekommene Fragen klären und weiter über die genannten Hengste recherchieren. Verden International ist auf jeden Fall vorgemerkt für das nächste Jahr und ich bin gespannt, ob ich meinen Freund erneut dazu überreden kann, mitzukommen. Dieses Mal hat er es auf jeden Fall „tapfer“ überlebt, was ein ziemlich großes Kompliment an die Veranstalter von Verden International ist. Nächstes Jahr gerne wieder!

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Sieger des Hannoveraner Reitpferde-Championats der dreijährigen Hengste: Despacito unter Greta Heemsoth

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