Mein Alltag

2015 war das Jahr, in dem sich für mich einiges änderte. Mit dem Abitur in der Tasche hatte ich mehr Freizeit als sonst und fand meine Leidenschaft für die Pferdezucht. Wirklich begonnen hat alles mit Bella Mia: Sie war das Pferd, mit dem ich meine ersten, bewusst wahrgenommenen Erfahrungen mit einem Jungpferd sammeln durfte. Man könnte fast sagen, dass das süße Fuchsstütchen mein Einstieg in die Welt der Aufzucht, dem Anreiten und der Jungpferdeausbildung war und es dauerte nur wenige Wochen, bis ich mehr und mehr die damit einhergehende Pferdezucht für mich entdeckte. Anfangs noch völlig unbeholfen tauchte ich also mit der großen Hilfe von Familie Rittstieg in die Zucht ein, studierte erstmals eingehend die Abstammungen der Zuchtstuten, Fohlen und Youngster, schaute mir Videos über die eingesetzten Hengste an und las mich Stück für Stück durch Hengstportraits und Forumsbeiträge. Es folgten die ersten Fohlenschauen, Auktionen, Reitpferdepräsentationen, Züchterfahrten und Besuche der Hengststationen, sodass ich mittlerweile guten Gewissens behaupten kann, dass ich wohl den Großteil der Kilometer, welche ich bereits in meinem Leben auf der Autobahn verbrachte, mit einem Pferdeanhänger im Rücken zurückgelegt habe. Jede Minute einer Fahrt wurde genutzt, um Marius über Hengste, Deckbedingungen, bekannte Züchter, Stutenstämme und Verfahren auszuquetschen und zugegebenermaßen sind die Gesprächsthemen bis heute keinen Deut weniger geworden. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich über jede neue Kleinigkeit freue, die ich lerne, von der ich höre und die ich für die Zukunft abspeichern kann. Seit drei Jahren nun gehören züchterische Veranstaltungen zu meinem absoluten Highlight: Sie werden bereits am Anfang des Jahres als mögliche Termine eingetragen, damit ich an den Tagen dann auch wirklich kann und mir bloß nichts dazwischen kommt. Ein wenig irre mag es klingen, aber ich habe tatsächlich bislang kein einziges Event ausfallen lassen. Sei es nur die Fahrt zu einer Deckstation, um den Samen abzuholen: Lisi sitzt mit ihrem Lunchpaket auf dem Beifahrersitz und wartet gespannt, bis es losgeht. Bedingt durch die Uni musste ich nun in letzter Zeit tatsächlich bei einigen Fahrten den Bürostuhl drücken: Ihr könnt euch aber sicher denken, dass allenfalls eine Fahrt zur Besamungsstation gestrichen wird, die großen Events hingegen würde ich vermutlich auch mit 40 Grad Fieber nicht freiwillig säumen. Ihr seht: Mich hat das Zuchtfieber gepackt. Ich möchte lernen, lernen, lernen. Am Liebsten so schnell, so umfänglich wie es nur möglich ist. Mit Familie Rittstieg habe ich eine Züchterschaft an meiner Seite, die bereits vor vielen, vielen Jahren das Interesse für die Pferdezucht entdeckt hat und sich in dieser Zeit ein unheimlich großes Wissen aneignen konnten. Dank ihnen ist es mir möglich, neue, eigene Erfahrungen zu sammeln und Fragen über Fragen beantwortet zu bekommen. Es ist einfach eine riesen, große Erleichterung, wenn man sich sein Wissen nicht mühsam anlesen muss, sondern stattdessen „nebenbei“ bei gängigen Ereignissen wichtige Informationen mitnehmen kann, um sie dann im Anschluss mithilfe von Zeitschriften und dem Internet punktuell zu vertiefen.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Meinem züchterischen Alltag. Viele von euch hat es interessiert, wie ich mein Jura-Studium, das Reiten und die Pferdezucht unter einen Hut bekomme. Manchmal ist es tatsächlich nicht ganz einfach, im Großen und Ganzen ist es aber meine Leidenschaft und mein Wille, welche es zeitlich irgendwie immer wieder möglich machen. Wie oben schon erwähnt haben Zuchtevents oberste Priorität: Bereits der Urlaubsplan von meinem Nebenjob wurde im Herbst für das kommende Jahr so ausgerichtet, dass ich auch ja keine Auktion verpasse. Kam doch einmal spontan ein Termin rein, konnte ich dank meinen wunderbaren Kollegen tauschen. Aber nicht nur über das Jahr verteilt wird mein Terminkalender nach meinem Hobby gerichtet. Eigentlich jeder einzelne Tag wird um die Pferde herum geplant. Heißt im Klartext: Mindestens ein halber Tag (ca. 4-8 Stunden) wird jeden Tag für den Stall eingeplant, als fester Punkt im Kalender führt daran kein Weg vorbei und nur in allerallergroßen Notfällen gebe ich diesen halben, heiligen Tag für etwas anderes her. Musste ich also an der anderen Hälfte des Tages arbeiten, war für den Besuch der Uni keine Kapazität mehr frei, sodass die Uni an solchen Tagen leider hinten runter viel. Aus diesem Grund nahm ich vorwiegend Schichten am Wochenende an, weil so eine größere Chance bestand, dass meine halben Tage innerhalb der Woche für die Uni frei blieben. Im Prinzip ist meine Woche also ziemlich statisch aufgebaut: Jeden Tag mindestens ein halber Tag Stall, die restlichen halben Tage Arbeit/ Uni. Etwas chaotischer wird es dann, wenn längere Zuchtveranstaltungen anstehen: Dann wird Arbeit/ Uni gecancelt, um die Zuchttage zu ermöglichen. Was sich in der Theorie ganz logisch anhört, klappt in der Praxis nicht immer ganz einwandfrei. Häufig wird der Stalltag länger, es kommt eine Familienpflichtveranstaltung ( 😀 ) oder ein Arztbesuch dazwischen, sodass ich meist nur ein bis zweimal in der Woche in der Uni war und ich das Lernen stattdessen auf Nachts verlagerte. Sicherlich ist das nicht die Prioritätensetzung, die man von einer fleißigen Jurastudentin erwartet. Als ehrgeizige, motivierte und ziemlich streberhafte Lernerin hätte ich wohl auch niemals gedacht, dass ich einmal so handeln würde. Aber: Meine Noten sind gut, ich komme mit meinem Tagespensum gut zurecht und so lange ich zu dem besseren Viertel meiner Studenten gehöre, werde ich auch nichts an meinen Prioritäten ändern. Ganz nach dem Motto: Warum ändern, wenn es doch bislang immer funktioniert hat.

Viele von meinem Mitstudenten fragen mich, wie das möglich sei. Sie verbringen ihre Tage in der Bibliothek – die ich nebenbei bemerkt erst einmal in meinem Leben betreten habe – und lernen gefühlt Minimum acht Stunden am Tag. Bevor die Frage aufkommt: Sämtliche Hausarbeiten habe ich von zuhause aus mit Googlebooks geschrieben. Ja es geht, ja es ist umständlich und nein, es ist bislang keinem Korrektor aufgefallen. Zum Thema wie das möglich sei: Ich denke die Erklärung ist, dass ich sonst keine Aktivitäten habe. Ich gehe selten ins Kino, treffe mich selten mit Freunden, schaue kein Fernsehen, gehe maximal ein bis zwei Stunden zu Geburtstagen, gehe nicht feiern, starte meinen Tag um 6:15 und beende ihn irgendwann spät am Abend. Erst durch meinen Freund habe ich wieder etwas mehr „Freizeitaktivitäten“ in meinen Tagesplan mit eingebaut. Da er selbst aber unheimlich fleißig ist und nächtelang auf dem Trecker sitzt, ergänzen wir uns ganz gut und stehen uns in unseren Leidenschaften nicht im Wege. Eher motivieren wir uns gegenseitig, den Tag noch besser auszunutzen.

Meist gehe ich morgens früh in den Stall, um den Tag vollständig nutzen zu können und eine höhere Chance auf eine freie Halle zu haben. Bedingt durch die jungen Hengste und die Zuchtstuten mit ihren Fohlen benötige ich in nahezu allen Fällen eine leere Halle, welche man am Vormittag meist häufiger antrifft. Gerne würde ich euch einen festen Plan nennen, an dem ich mich täglich entlang hangele. Leider ist jeder Tag anders und von Spontanität geprägt, sodass mir ein fester Trainingsplan nicht möglich ist. Als kleines Beispiel einmal Bella Mia: Um sie reiten zu können, benötige ich entweder eine freie Halle, damit Donni mitkommen kann oder es müssen seine Boxennachbarn drinnen sein, damit er oben in der Box bleiben kann. Faktoren, die man nur schwer beeinflussen oder gar absehen kann, sodass ich jeden Tag individuell schauen muss, ob es klappt oder nicht. Nahezu alle meine Tagespunkte sind derart gestrickt, sodass ich mittlerweile ohne jegliche Planung loslege und ganz spontan entscheide, was als nächstes gemacht wird. Im Allgemeinen stehen folgende Dinge auf meiner Liste, die ich gerne rein theoretisch pro Tag erledigen würde. Heißt, wenn es ganz super laufen sollte, wären alle Junghengste, Wallache und Zuchtstuten bewegt worden (Reiten, Longieren, Freispringen) und würden an ihren freien Tagen ihr verdientes Wellness- /Spaßprogramm bekommen. Ein täglicher Besuch bei Wonne, den Jährlingsstuten und ein- bis dreijährigen Hengsten und Wallachen, sowie den Fohlen schließt sich an. Ansonsten werden Fotos für die Homepage und zwecks Verkauf angefertigt, grob bearbeitet, Videos geschnitten, E-Mails geschrieben und Auktionen geplant. Regelmäßige Tierarztbesuche finden natürlich auch statt, bei denen ich unheimlich gerne dabei bin: Stuten müssen untersucht werden und neu geborene Fohlen geimpft und kontrolliert werden. Zuchtevents jeglicher Art bringen natürlich ein paar Abweichungen vom üblichen Tagesprogramm mit sich: Die Zuchtstuten und Fohlen wollen gewaschen und eingeflochten werden, der Hänger möchte gepackt werden, das Sattelzeug geputzt werden und schlussendlich rauben natürlich die Feinheiten – wie das Ausdrucken von Fotos zur Bewerbung der Fohlen- die übrig gebliebene Zeit. Kleinere Aktivitäten wie das Rein- und Rausbringen der Stuten und Fohlen, Hufschmiedtermine und Co. vervollständigen dann die Tagesplanung. Ihr seht: Es gibt rein theoretisch immer was zu tun und ich liebe es, jede freie Sekunde mit den Pferden zu verbringen. Sie geben einem so unendlich viel Vertrauen und Zuneigung wieder, dass ich die Arbeit mit den Youngstern nie wieder missen wollen würde. Ich habe euch versprochen, dass ich euch ganz bald mal einen kompletten Tag mit in der Story mitnehme: Bislang hat es noch nicht geklappt, ich werde aber daran arbeiten und es in den kommenden Wochen noch einmal versuchen. Bis dahin hoffe ich, dass euch auch kleine Ausschnitte interessieren, die ich euch ohne „Kamerahilfe“ zeigen kann.

Ich weiß, dass meine Prioritätensetzung im Hinblick auf meine Zukunft vielleicht nicht ganz löblich ist. Heilfroh bin ich, dass meine Eltern immer dafür gesorgt haben, dass ich die Schule eben gerade nicht durch die Pferde vernachlässige. Nun gehe ich genau den Weg, vor dem mich meine Eltern immer bewahrt haben und stelle mein Studium hinter mein Hobby. Verrückt, undurchdacht, vielleicht auch einfach nur blöd? Für mich nicht. Keinesfalls möchte ich jemandem anderen anraten, so zu handeln. Unser Studium/ unsere Ausbildung sind so essentiell wichtig für unseren weiteren Lebensweg, dass man wirklich IMMER darauf bedacht sein sollte, sein Bestes zu geben. Vielleicht schaue ich irgendwann einmal zurück und hinterfrage das, was ich tue. Möglicherweise würde ich mir auch wünschen, dass ich anders gehandelt hätte und der Universität oberste Priorität eingeräumt hätte. Das kann ich euch zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen und ich kann auch nicht ausschließen, dass dieser Fall einmal eintreten sollte. Für den Moment bin ich aber dennoch glücklich. Trotz meiner universitären, chronischen Abwesenheit habe ich die letzten drei Jahre erfolgreich studiert, gute Noten geerntet und befinde mich nun in meiner Examensvorbereitung. Sicherlich hätte ich mit einem höheren Lernaufwand noch bessere Noten schreiben können. Aber was habe ich davon? Ich möchte nicht am Ende meines Studiums einen exzellenten Abschluss entgegen nehmen in dem Wissen, dass ich die vergangenen acht Jahre nicht gelebt habe. Meine Karriere ist mir wichtig, aber ich bin nicht gewillt, meine Leidenschaft dafür herzugeben. Gespannt bin ich nun auf meine weitere Examensvorbereitung und dem sich anschließenden Referendariat. Während mir bislang von jedem mitgeteilt wurde, dass mein bisheriger Lebensstil spätestens dann ein Ende haben würde, bin ich noch recht zuversichtlich. Ich habe es bislang irgendwie geschafft, wieso sollte ich es in Zukunft nicht auch irgendwie meistern?

Nun bin ich gespannt auf eure Kommentare: Wie setzt ihr eure Prioritäten? Steht bei euch das Pferd oder stattdessen die Schule/ die Uni an oberster Stelle? Und wie kommt ihr mit eurem Spagat zwischen Uni/ Schule und Pferd zurecht? Ich bin gespannt auf eure Kommentare hier oder unter meinem zugehörigen Post auf alisa_1996 🙂

Ein Kommentar zu „Mein Alltag

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  1. Also meinen Respekt hast du definitiv! Ich bin auch wirklich froh deine Seite gefunden zu haben, über sie suche ich meinen wirklichen theoretischen Einstieg in die Welt der Pferde. Ich habe leider kein Pferd, kenne mich in der Zucht keinen Millimeter aus und wirklich reiten kann ich auch nicht. Da der Unterricht zu teuer ist versuche ich jetzt ein FÖJ auf einem Gestüt zu machen (mit Pferden umgehen ansich kann ich und alles was ich lernen kann ist ja hilfreich) und dann fange ich eine Ausbildung an. Mein gesammtes Gehalt wird dann vorerst wohl in Unterricht fließen bis ich sicherer bin und ja dann mal sehen, denn egal was ich mache, mein Herz hängt immer bei den Pferden! Vlt habe ich ja auch mal das Glück wie du und kann auf einem Gestüt helfen/arbeiten. So lange mache ich meinen “Spagat“ zwischen Schule, 2 Tanzarten, etwas Volleyball und Freunden 😀

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