Der Fohlenkindergarten ist eröffnet!

Fünf von sieben Fohlen sind mittlerweile gesund und munter auf die Welt gepurzelt. Nachdem es noch einen ziemlich verregneten und kalten Frühjahr gab, kam der „Sommer“ schneller als gedacht, sodass wir vor einigen Wochen guten Gewissens den betriebsinternen Fohlenkindergarten 2018 eröffnen konnten. Nun stehen alle fünf Mutterstuten mit ihren Fohlen zusammen auf einer großen Wiese direkt am See, 50 Meter Luftlinie zum heimische Hof und dürfen ihre ersten Erfahrungen als kleine Herde inmitten eines wunderschönen Naturschutzgebietes sammeln.

Der Weg bis zur Eröffnung des Kindergartens ist auf den ersten Blick immer recht unspektakulär, dennoch muss man sich über die Weidezeit und vor allem über die Zusammenführung der Stuten vorab ein paar Gedanken machen. Sind die Fohlen frisch geboren, haben sie nur ein sehr schwaches Immunsystem gepaart mit einer noch nicht vorhandenen Ausdauer. Aufgrund der Neugier und Lebensfreude der wenige Tage alten Fohlen sowie die mögliche anfängliche Aufregung der Mutterstuten kommt es meist zu der einen oder anderen anstrengenden Entdeckungstour, wodurch das Fohlen schnell ins Schwitzen gerät und erschöpft. Stehen sie nun auf einer Wiese reicht bereits ein leicht kühler Boden oder ein kleiner Windzug, um die Gesundheit des Fohlens zu gefährden. Aus diesem Grund sollten Mutterstute und Fohlen bei gutem Wetter langsam an die Witterungsbedingungen gewöhnt werden, damit das jeweilige Fohlen in Ruhe, Stück für Stück sein Immunsystem aufbauen kann. Meist beginnen wir mit einer halben Stunde „begleiteten Ausgang“ auf der Wiese. Was ein bisschen nach dem Nachmittagsprogramm eines Gefängnisinsassen klingt, hat tatsächlich einige Ähnlichkeiten. So wählen wir für die ersten Weideversuche in Anbetracht der – für die Fohlen noch nicht so gut zu erkennenden Litze – immer eine ganz bestimmte Weide mit einer zusätzlichen Maschendrahtumzäunung. Um den einen oder anderen Sturzflug und das damit einhergehende Verletzungsrisiko zu vermeiden und nicht dauerhaft den Zaun flicken zu müssen, eignet sich der hinter den Litzen liegende Maschendrahtzaun immer sehr gut als Sichtbarriere. Hätte man eine solche Wiese nicht zur Verfügung, würde eine Umwicklung mit rot-weißem-Flatterband natürlich ebenso gut funktionieren, diese Arbeit müssen wir uns dank unseres „Gartens“ allerdings nicht machen. Die ersten paar Tage bleiben wir immer vor Ort, um das Fohlen mit der Stimme vor der Litze zu warnen und den Zaun notfalls flicken zu können. Währenddessen behalten wir die Mutterstute im Blick und schauen, dass sie nicht eine allzu große anfängliche Aufregung zeigt und das Fohlen zwischenzeitlich zur Ruhe kommen lässt. Manchmal sind die Muttis die ersten paar Tage immer noch so umsorgt um ihr Fohlen, dass sie im Turbogang die Wiese unsicher machen. Damit das Fohlen sich bei dem Manöver nicht zu sehr verausgabt, behalten wir das Verhalten also genau im Blick, nehmen die Mutterstute zur Beruhigung notfalls die erste Zeit zum Grasen ans Halfter oder brechen den Ausgang ab, falls das Fohlen eine Pause braucht. Bei uns sind die Stuten Gott sei Dank immer derart entspannt, dass sie nach ein bis zwei Runden über die kleine Koppel die Schnute in das Gras stecken und das Mümmeln anfangen. Dennoch muss man immer auf alles vorbereitet sein. Es gilt: Lieber einmal mehr schauen, als einmal zu wenig.

Der Fohlenkindergarten 2017
Foto: Laura Herale von Lovely Moments

Haben sich die Kleinen an die Witterungsbedingungen und die Situation auf der Wiese gewöhnt, geht es an die Zusammenführung der Ladies mit ihren Fohlen. Dazu wählen wir eine große, möglichst ebene und gerade geschnittene Wiese, ohne kleine Ecken und Schneisen und auch das Wasserfass fahren wir erst im Anschluss an die Eingewöhnung auf die Fläche. Falls es zu Rangeleien unter den Stuten kommt, soll es so wenig Ecken und Kanten geben, an denen sich die Mamas und ihre Fohlen verletzen können. Ist alles vorbereitet, stellen wir die Stuten nach und nach zusammen. Nach jeder erfolgreich integrierten Stute warten wir einige Zeit, bis sich die Lage wieder beruhigt hat und wir das nächste Paar holen können. Die erste Zeit bleiben wir auch nach der Zusammenführung noch mit auf der Wiese, um das Verhalten der Stuten zu beobachten und im Fall der Fälle schnell eingreifen zu können. Auch wenn sich die Stuten bereits alle aus dem letzten Jahr kennen, gibt es keine Gnade, wenn es um das eigene frisch geborene Fohlen geht. Verirrt sich also mal ein Fohlen zu der falschen Mutterstute, kann das Kleine schneller als man denkt einen Tritt abbekommen. Ich gebe zu, dass man im Fall der Fälle nicht unbedingt viel tun kann. Wie so oft im Leben ist das Unglück schon passiert, bevor man die Gefahr überhaupt nur kommen sah. Allerdings kommt es hin und wieder auch zu brenzligen Situationen, die man bereits weit im Voraus hätte erkennen können und über die man sich dann besonders ärgert, wenn man sie – ohne dagegen anzuwirken – geschehen lässt. Aus diesem Grund halten wir lieber wacker die Stellung, genießen die Idylle des Fohlenkindergartens und greifen ein, falls es zu Unruhen kommen sollte. Im Notfall trennt man sie lieber einmal öfter und versucht es einige Tage später nochmal, bevor man ein verletztes Fohlen bergen muss. Sicherlich mag es für den einen oder anderen übertrieben klingen, sich die ersten Stunden mit auf die Wiese zu setzen und alles wie ein Luchs zu überwachen. Fakt ist aber eben auch, dass immer unheimlich schnell etwas passieren kann, egal wie viele Gedanken man sich vorab über die Zusammenführung macht.

Auch dieses Jahr haben sich die Mutterstuten wieder vorbildlich verhalten. Hier und da wurde eine Stute/ ein Fohlen mal ein wenig zur Seite gescheucht, ansonsten haben sie ihre Zeit aber sinnvoll mit Fressen verbracht, sodass sofort Ruhe eingekehrt ist. Nun steht der Fohlenkindergarten bereits mehrere Wochen ohne Komplikationen tagsüber auf der Wiese und wir hoffen, dass es den Sommer über so weiter geht. Besonders schön ist es, den ersten Abnabelungsprozess der kleinen Fohlen zu beobachten. Erst noch vollständig auf die jeweilige Mutterstute fixiert, mussten diese die vergangenen Wochen ordentlich was mitmachen, als die Zöglinge anfingen ihre Grenzen auszutesten. Es wird gestiegen, gezwickt, getreten, ins Halfter gebissen oder zu fest an der Zitze genuckelt – drei Wochen, in denen enorm an den Nerven der Mutterstuten gezehrt wird. Nun beginnen seit knapp zwei Wochen die ersten richtigen Annäherungsversuche der Fohlen. Noch etwas unbeholfen machen sie ihre ersten Erfahrungen im Umgang miteinander, gehen hier und da vielleicht noch etwas ungestüm vor und kassieren unmittelbar die Quittung. Besonder schmunzeln musste ich über den kleinen Don Bellantino. Er startete schon ziemlich früh mit seinen ersten Flirtversuchen, pirschte sich an das auserkorene Stutfohlen heran und überlegte sichtbar intensiv, wie er nun am Besten vorgehen sollte. Die ersten Male entschied er sich noch für den Überraschungsangriff, sprang in einem Satz auf die Ladies drauf und dachte sich vermutlich, nur so könne es auch wirklich Liebe auf den ersten Blick sein. Mit dieser Methode kam er allerdings nicht weit, kassierte den einen oder anderen Tritt und wurde von den Damen der Schöpfung ordentlich in seine Schranken gewiesen. Donni wäre nicht Donni, wenn er daraus nicht lernen würde. Ebenso frech, aber um einige Erfahrungen reicher wählt er jetzt die sanftere Variante, nähert sich den Stuten vorsichtig und fragend und lässt seinen Charm spielen. Hier ein Blumenstrauß, da ein Brief, ihr wisst schon. Was der kleine Mann allerdings noch nicht so verstanden hat ist, dass man eigentlich immer nur eine feste Freundin hat. Momentan fährt er dreigleisig und denkt sich vermutlich, dass er sich alle Damen warm halten sollte. Über dieses Thema muss ich mit dem Racker nochmal sprechen. Fürs erste ist es allerdings super, dass die Fohlen langsam anfangen, den Kontakt untereinander aufzubauen. So werden die Mutterstuten entlastet und die Racker können gemeinsam Erfahrungen sammeln, Unfug treiben und sich gegenseitig in die Schranken weisen. Es ist immer wieder ein wahnsinniges Schauspiel und wenn ich ehrlich bin könnte ich dem Fohlenkindergarten stundenlang einfach so zuschauen. Natur pur, durch welches man viel über den Lernprozess der Fohlen und das Miteinander in einer Herde lernen kann. Wir hoffen, dass die Weidezeit komplikationslos weitergeht und auch noch die letzten zwei Zöglinge gemeinsam mit ihren Mutterstuten gesund und munter dazu stoßen werden.

Unser Fohlenkindergarten
Foto: Laura Herale von Lovely Moments

 

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