Zuchtstute Bella Mia

Es hat nicht lange gedauert, da wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes von meinen Instagram-Lesern ertappt. Mehrere Male wurde ich nun schon angeschrieben, ob die Zuchtstute Bella Mia mein eigenes Pferd sei oder warum ich so viel über sie schreiben bzw. von ihr zeigen würde. Tatsächlich ist es so, dass Bella Mia um einiges häufiger in meinen Stories zu sehen ist, als die anderen Zuchtstuten. Keinesfalls bedeutet das, dass die anderen Stuten weniger Zuneigung und Aufmerksamkeit bekommen. „Püppchen“ oder auch „Puppi“ und mich verbindet einfach nur schon eine etwas längere Geschichte, weshalb ich zu ihr einen sehr besonderen Draht habe. Zudem soll Bella Mias und meine Geschichte noch viele Jahre fortgeschrieben werden, sodass es mir besonders am Herzen liegt, dass wir täglich miteinander unsere wohlverdiente Zeit verbringen.

Auch wenn unsere Beziehungen zu den kleinen Rackern in Anbetracht des Verkaufes immer nur von kurzer Dauer sind, heißt das nicht, dass wir sie weniger in unser Herz schließen, als es bei dem ganz persönlichen, nicht für den Verkauf bestimmten, „eigenen“ Pferd der Fall ist. Stattdessen hat jedes der gezogenen Fohlen einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen, sodass wir sie immer zugleich mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge in die große, weite Welt hinaus entlassen. So kurzlebig unsere Beziehungen zu einem der Jungpferde also auch ist und so „abgeklärt“ der Verkauf auf den ersten Blick erscheinen mag, kann es auch uns Züchtern, Bereitern und Pflegern – also solchen Personen, welche in ihrem Leben einen relativ hohen Durchlauf an verschiedenen Pferden haben – passieren, dass man sich in eines der Pferde Hals über Kopf verguckt.

Begonnen hat alles vor genau dreieinhalb Jahren, als Bella Mia zweijährig von der Wiese reingeholt wurde, um den Winter über im Stall zu verbringen. Unermüdlich begleitete ihr Blick mich die Stallgasse herauf und herunter, immer mit diesem durchweg lieben, treuseligen Blick und ihren neugierig gespitzten Öhrchen. Schier alles schien für die kleine Dame interessant und es dauerte keine drei Tage, da war ich ihr und ihrem zuckersüßen Köpfchen hoffnungslos verfallen. Nicht selten legte ich auf meinem Weg also eine Pause bei diesem hübschen Fuchsstütchen ein, um sie zu knuddeln und sie mit ersten Leckerlies so richtig zu verwöhnen. Als Brunhilde vom Bauernhof sollte sie laut ihrem Züchter Geschichte schreiben, was mich meine erste Rettungsaktion starten ließ. Dieses wunderschöne Fuchsstütchen sollte auf keinen Fall auf ewig mit diesem Namen versehen sein. Letztendlich machte meine Mama in meiner Verzweiflung den Vorschlag „Bella Mia“, welchen ich erleichtert für gut befand und von dem Zeitpunkt an vehement immer wieder in Anwesenheit sämtlicher Einstaller, Mitarbeiter und Besitzer erwähnte. Auf ein „wie geht es Brundhilde“ kam also von nun an die Antwort „Bella Mia geht es tiptop“ und auch wenn es gefühlt eine Ewigkeit dauerte bis Bella Mia wirklich bei jedem Bella Mia hier, haben wir mittlerweile den Namensschreck hinter uns gelassen. So viel also zu unserem Anfang.

 

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Anfang  dreijährig durfte ich mit ihr in die tägliche Arbeit einsteigen. Von dem Tage an haben Madam und ich schlichtweg alles gemeinsam erlebt, was man nur erleben konnte. Das erste Anbinden, Putzen, Longieren, Reiten, Verladen, Ausreiten, die erste Stangenarbeit, das erste Spalierstehen, die erste Besamung, die erste Geburt und und und: Schlichtweg alles, was Bella Mia erlebt hat, hat sie mit mir zusammen erlebt. Sechs Jahre ist sie nun schon alt und in dieser wunderbaren Zeit durfte ausschließlich ich auf ihrem Rücken Platz nehmen. Ich bin ehrlich: Der Wunsch ist riesengroß, dass das so bleibt. Der ein oder andere mag es vielleicht übertrieben finden, dass ich da so viel Wert drauf lege. Für mich ist es aber ein unbeschreibliches Gefühl zu wissen, dass Bella Mia alles was sie kann, zusammen mit mir erlernt hat und alles, was sie eben nicht kann, ebenso auf meine Kappe geht. Ihr Werdegang spiegelt eins zu eins wieder, was wir bereits gemeinsam geschafft haben und was wir bislang noch nicht geschafft haben. Alles würde ich dafür tun, dass dies so bleibt. Auch wenn wir in zehn Jahren noch auf unserem Niveau von heute sind, so kann ich das sehr gut akzeptieren. Das würde mir nur umso deutlicher bewusst machen, dass ich noch mehr trainieren muss und ich mich nicht genug bemüht habe. Gleichermaßen brauche ich mich nicht lange zieren, wenn wir einen kleinen Erfolg erleben durften. Das Rätselraten, ob der errungene Fortschritt nun auf unserer gemeinsamen Arbeit oder aber aufgrund der reiterlichen Fähigkeiten des Bereiters, der Reitbeteiligung oder sonst wem beruhte bleibt mir so erspart und ich kann schlicht und ergreifend Stolz darauf sein, was wir geschafft haben. Selbstverständlich mit der wunderbaren Hilfe von meinen Trainern Kathy und Marius, ohne die das wohl niemals möglich wäre.

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Bella Mia dreijährig bei unseren ersten Versuchen ohne Longe.

Die vergangenen dreieinhalb Jahre haben Bella Mia und ich nun als schon Seite an Seite verbracht und doch tüfteln wir immer noch an den Basics. Sicherlich liegt das zum einen an meinen fehlenden Fähigkeiten, zum anderen haben wir allerdings auch noch nicht viel Zeit gehabt, um unser Training aufzunehmen. Nachdem ich sie dreijährig Anreiten durfte ging sie nach einem Weideunfall dreieinhalbjährig für ein Jahr in den Zwangsurlaub auf die Wiese. Tägliche Spaziergänge nutzte ich also, um der kleinen Dame den Umgang beizubringen, sodass ich heute wohl gut und gerne behaupten kann, dass Bella Mia das abgeklärteste und bestmöglich erzogenste Pferd ist, mit welchem ich momentan meine Zeit verbringe. Sicherlich gibt es immer noch Luft nach oben – durch die Zwangspause konnten wir uns aber viele Sachen erarbeiten, die aufgrund meines begrenzten täglichen Pensums sonst nicht in dem Maße möglich gewesen wären. Viereinhalbjährig begann ich Bella Mia wieder locker anzutrainieren – in Anbetracht der voranschreitenden Trächtigkeit (besamt im April 2016) wusste ich aber, dass ein vollständiges Antrainieren sich zeitlich nicht mehr lohnen würde. Im Oktober sollte sie ungefähr in den Mutterschutz gehen, weshalb es für mich keinen Sinn ergab, in den drei Monaten auf Biegen und Brechen wieder weiter zu trainieren. Aus diesem Grund verbrachten wir den Sommer mit langen Ausritten und genossen einfach ohne jeglichen Druck die Zeit. Aufgrund der fehlenden Muskeln und dem größer werdenden Kugelbauch verzichtete ich damals auf den Sattel und zog mit der – gerade mal ein halbes Jahr gerittenen – Maus ins Gelände. Dreijährig noch etwas ungestüm meisterten wir also vierjährig unsere ersten Ausritte allein, nach einem Jahr Reitpause und ungesattelt, sodass wir nach den drei Monaten den Sommer als wohl ausreitsicheres Paar beenden konnten.

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Bella Mia vierjährig

Fünfjährig bekam Bella Mia im März ihr erstes Fohlen und zeigte mir aufs Neue was für ein wunderbares Pferd sie ist, indem sie sich vom ersten Tag an perfekt in ihre Mutterrolle einfand. Fünfjährig, einige Wochen nach der Geburt, nahmen wir also nach dem Anreiten das erste Mal wieder das Training auf. Mit einem Fohlen an der Seite und einem heranwachsenden zweiten Fohlen im Bauch war selbstveständlich auch diese Trainingsphase an die Bedürfnisse von Bella Mia angepasst. Wir nahmen also jeden Tag  so wie er kam und ich versuchte täglich die beste Mischung an Bewegung, Abwechslung, Spaß und Erholung für Püppchen zu kreieren. Durch das Fohlen Beifuß, die erneute Besamung und der Auktion von Bellas Fohlen gab es immer mal wieder Phasen, in denen wir pausierten, aber das machte uns gar nichts. Jeden Tag ein Stückchen, das war unsere Devise. Wir haben uns kleine Ziele gesteckt und diese Ziele vollumfänglich erreicht. Glücklich und zufrieden ging Bella also im Herbst vergangenen Jahres erneut in Mutterschutz und wir freuen uns nun schon riesig auf die vor uns liegende dritte „Trainingsphase“, welche wir miteinander erleben dürfen. Auch für dieses Jahr haben wir uns Ziele gesteckt, schauen aber ganz gelassen auf die Zeit. Wenn wir etwas davon erreichen, freuen wir uns. Wenn wir drei Schritte zurückmachen, dann ist es eben so. Wichtig ist, dass Bella Mia immer Freude behält und sie ihren Alltag als Mutter und Jungpferd in vollen Zügen genießen kann. Es läuft uns schließlich nichts davon.

Bella Mia & ihr Vitalis-Fohlen
Foto: Laura Herale von Lovely-Moments
Bella Mia
Bella Mia fünfjährig bei einem unserer ersten „richtigen“ Ritte nach dem Anreiten als dreijähriges Jungpferd

Unsere Geschichte ist zwar gerade erst dreieinhalb Jahre jung und doch – so würde ich behaupten – die wohl schönsten Jahre in meinem Reiterleben. Vom ersten Tag an steht für mich fest, dass Bella Mia irgendwann mein Eigen werden soll und auch wenn ich mich noch etwas gedulden muss, habe ich unsere Zukunft natürlich immer im Blick. Aus diesem Grund nun – um endlich mal zum Punkt zu kommen – seht ihr Bella Mia einmal öfter in der Story, als ihr es von den anderen Stuten gewohnt seid. Ich versuche einfach jeden Tag mit ihr zu genießen, an unserer kleinen, gemeinsamen Geschichte zu arbeiten und zu hoffen, dass wir noch viele so wunderbare gemeinsame Dinge erleben dürfen. Vermutlich könnt ihr euch vorstellen wie unendlich dankbar ich Bellas Züchter bin, dass er mir diesen Umgang mit ihr ermöglicht und sie auch jetzt schon ein kleines und doch schon ziemlich großes Stück „mein Pferd“ sein kann. Danke dafür!

2 Kommentare zu „Zuchtstute Bella Mia

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  1. Tolle Geschichte und wahnsinn was ihr zusammen erlebt habt. Du bist unfassbar mutig und das ist wirklich schön zu lesen. Ihr passt gut zusammen. Alles gute euch beiden 🙂

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